Es wird kalt draußen, Winter. Ich mag diese Kälte. Ich mag es, wenn mir der Wind in mein Gesicht pustet. Wenn es kalt ist. Wenn ich in die warme Wohnung komme und meine Haut anfängt leise zu prickeln. Dieser Wechsel zwischen Kälte und Wärme. Bei uns fehlt nur noch der Schnee. Und eine warme Winterjacke.26.11.13 6.30 auf dem Feld (1)

Mein Körper, mag dieses Wetter nicht. Die Umstellung von warm auf kalt bekommt meinen Schmerzen und den Gefühlsstörungen in den Beinen nicht. Manchmal kann man aber Situationen einfach nicht ändern, also muss ich sie annehmen. Denn einen ganzen Winter über im Bett zu bleiben, das ist einfach keine Option. Also nichts wie raus. Aber nicht ohne Jacke.

Und hier befinden wir uns bei einem echten Luxusproblem für mich.

Kleidung kaufen. Eine Winterjacke im speziellen.

Früher war das kein Problem. Eine Jeans, ein Shirt, eine Weste und fertig. Eine Jacke in der Stadt gesehen, für gut befunden und gekauft. Aber die Zeiten ändern sich. Eine Mama hat meistens einen anderen Kleidungsstil als eine Frau bevor Sie Mutter wurde.
Ein Rollstuhlfahrer mit Nervenschmerzen trägt meistens auch andere Kleidung als er früher trug, als er noch Laufen konnte.
Zu Beginn meiner Erkrankung habe ich nur Jogginghosen getragen. Nicht weil ich mich habe gehen lassen (ok vielleicht manchmal auch deswegen) aber nein, es waren die einzigsten Hosen, in denen ich mich wohl fühlte. Nach einem Jahr habe ich bemerkt, dass es überall zwickt und kneift. Gegessen habe ich immer noch gerne, aber eben ohne große Bewegung und ich habe zugenommen. So dass mir meine Jogginghosen einfach nicht mehr gepasst haben. Es mussten neue Kleider her. Nur welche?
Ich war immer ein Jeansliebhaber. Aber mit der Nervenstörung und dem Kribbeln in den Beinen, habe ich die steifen Jeans einfach nicht mehr vertragen. Dieses Gefühl wenn der Jeansstoff über die Beine streifte, machte mich aggressiv. Es war solch ein unangenehmes Gefühl, gekoppelt mit dem Kribbeln in den Beinen, dass ich in einer Kurzschlusshandlung, alle meine Jeans in einen Sack stopfte und zum Altkleidercontainer bringen lies.
So stand ich da, ohne Kleider. Ich suchte, bequeme leichte Stoffhosen die gut fallen, am liebsten mit Gummibund, damit sie nicht im Rückenbereich einschneiden. Damals unvorstellbar so etwas zu finden. Mittlerweile ist das, Gott sei Dank, kein Problem mehr.

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So ging ich los und wollte Kleider shoppen. Zusammen mit meiner Schwester und wir sind kläglich gescheitert.

Wenn man sich nicht selbst an und ausziehen kann, so ist Kleidershopping in der Stadt leider nicht nur sehr anstrengend – mehr als 4 unterschiedliche Dinge kann ich aus Kraftgründen nicht anprobieren, sondern auch oft unmöglich.
Behindertenkabinen gibt es nämlich kaum, und in eine normale Umkleidekabine zu zweit? Habt ihr das schon einmal versucht? Falls, ja, lassen wir die Gründe hierfür, jetzt einfach mal stillschweigend außen vor, aber es ist sehr sehr eng, oder?

Da wir mittlerweile im Jahr 2015 leben, klingelt bei uns also regelmäßig der Postbote und bringt mir Kleidung aus Onlineshops.

Letzte Woche kamen hier 4 große Pakete an. Denn, ich bin auf der Suche nach einer Winterjacke. Mit anderen Worten suche ich eine Eierlegende Wollmilichsau. Meine Winterjacke sollte folgende Kriterien erfüllen:
robust
Wasserfest
Warm
Mit Reißverschluss
schwarz
knielang
nicht zu dick

ohne Taillengürtel
ohne Kapuze
keine 300 Euro kosten
auch im Sitzen sehr bequem sein

Es gibt so viele schöne Winterjacken. Das diese nicht günstig sind, verstehe ich. Ich bin auch gerne bereit eine gute Jacke zu kaufen, die mit lange die Treue hält. Die beschriebenen Punkte sind nur leider keine Idelavorstellung auf Verhandlungsbasis sondern alle notwendig.
Wenn es kalt ist draußen, dann muss man sich warm anziehen, das erklären wir unseren Kindern. Was für unser liebsten Kleinen gut ist, kann uns nicht schaden. Vor allem wenn man die ganze Zeit sitzt und sich kaum bewegt. Da kann es schnell noch kälter werden als kalt.
Genau aus diesem Grund möchte ich auch unbedingt eher einen Mantel als eine Jacke. Der Rollstuhl ist kalt und ich möchte mich ungern mit meiner Stoffhose nur auf den Sitz setzen. Hier wünsche ich mir eine gute Polsterung für mein liebstes Hinterteil.
Genau daraus resultiert dann das nächste Problem. Wenn die Jacke eher ein Mantel ist und lange geschnitten, so staucht sich der Stoff beim Sitzen am Bauch. Schnell spannt es hier dann.
Sitzt ihr öfters im 90° Winkel draußen?
Spannt bei euch die Jacke dann auch?

Es gibt mittlerweile viele Hersteller von Rollstuhlmode. Für Querschnittpatienten sind diese vielleicht sinnvoll. Dies kann ich nur aus Gesprächen sagen, da ich hiervon selbst nicht betroffen bin. Für mich als Neurologischer Patient, sind sie es leider nicht. Es wird sich bemüht, die Mode auch fesch zu gestalten. Wie man sich diese jedoch als Erwerbsunfähiger leisten kann, das verstehe ich noch nicht. Und so ganz entsprechen diese Kleider auch nicht meinem Geschmack.

Ich habe schon mehrmals bei unterschiedlichen Formaten nachgefragt, ob sie nicht einmal einen Rollstuhlfahrer umstylen könnten, oder Tipps für Rollifahrer hätten. Bis jetzt bekam ich leider immer Absagen oder überhaupt keine Antwort.

Trotz Rollstuhl bin ich Mama, ich brauche Kinder geeignete und robuste Kleidung die dennoch bequem ist.
Und vor allem, bin ich trotz Rollstuhl noch Frau. Und so möchte ich mich kleiden und fühlen.

Und… trotz Rollstuhl ist es kalt und ich will raus. Deswegen brauche ich eine warme Winterjacke. Eine die ich mir leisten kann. Und wenn es eine eierlegende Wollmichsau sein muss, dann eben diese.

Auch wenn sie bei der letzten Onlinebestellung leider nicht dabei war. Mit diesen Worten übergebe ich die Pakete als Retoure an unseren Postboten und er läuft lachend mit den Pakten davon.

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