Mein Freitag Mittag in Zahlen sah folgendermaßen aus:

15 (fremde) Kinder zwischen

1 und 15 Jahren waren für

4 Stunden in unseren

70 Quadratmetern und ich hatte

4 wunderbare Helfer dabei.

 

 

So, jetzt einmal von vorne. Bei uns im Ort gibt es eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Diese besteht schon seit 15 Monaten. Momentan leben dort ca. 250 Menschen. Darunter sind viele Kinder. Neben Kleidung und Sachspenden, die wir bereits am Anfang des Jahres dorthin gebracht haben, habe ich seit Sommer einen Spielenachmittag in Leben gerufen. Das bedeutet dass ich 2 – 3 Kinder oder eine Familie mit Kind, alle 2 – 3 Wochen für einen Nachmittag zu uns nach Hause einlade. Da ich selbst kein Auto fahren kann, helfen Ehrenamtliche (meistens) Frauen und bringen die Kinder zu mir. Es gibt ein bisschen was zu Essen, was zu trinken und wir spielen gemeinsam. Mehr nicht. Junior hat einfach nur Kinder zum Spielen bei sich. Nach ein paar Stunden fährt mein Mann die Familie zurück.

 

Am  Sonntag war bei uns im Ort ein Weihnachtsmarkt. Hier wird auch die Gemeinschaftsunterkunft, unterstützt von dem Verein, einen Stand haben. In einer Mail wurden Freiwillige gesucht, die beim Kochen und backen am Freitag und Samstag helfen. Auf meine Nachfrage, wo das denn stattfindet, erhielt ich die Antwort, dass dies in der Großküche sein wird, diese aber leider nicht Rollstuhltauglich ist.

So habe ich die Idee entwickelt einen großen Spielenachmittag mit bis zu 15 Kindern bei mir zu Hause in der Wohnung zu veranstalten. Auf diesem Weg könnte ich die Kinderbetreuung übernehmen und die Eltern könnten in Ruhe die Sachen für den Weihnachtsmarkt vorbereiten.

15 Kinder, von denen ich bei weitem noch nicht alle kenne, im Winter mit Schlechtwettervorhersage, erforderten etwas Organisation. Zunächst einmal habe ich – gemeinsam mit einer Frau des Vereins versucht – 5 Fahrer zu finden, die die Kinder am Nachmittag zu uns bringen können. Mit meiner Ergotherapeutin habe ich mich in der Therapie unterhalten, was man denn sinnvolles für 12 – 15 jährigen Kinder anbieten könnte. Sie gab mir ein paar Malvorlagen mit, die auch für Erwachsene sehr schön sind. Dies war der erste Punkt für unseren Maltisch. Der Küchentisch wurde zum Maltisch umfunktioniert, mit allem was das Bastelherz begehrt. Blätter, Blätter und Blätter, Ausmalbilder, Scheren, Kleber, Klebebänder, Stempelkissen, Ideen für Fingerstempel, Holz – Filz  – und Wachsmalstifte,…

Meine Freundin hat mir ihren Brennstab ausgeliehen und der Herzmann hat uns Astscheiben gesägt. Das Wohnzimmer habe ich, bis auf das Sofa und das Regal leerräumen lassen und hier hinein, die großen Softbausteine, Teile aus unserem Barfußpfad, den Tunnel und viele große Decken gelegt. Auf der Anrichte in der Küche richtete ich Getränke, Becher, Lebkuchen und 2 große Obstteller.

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Vor unserem Fensteradventskalender steht der Tisch vom Balkon mit Gesellschaftsspielen und Legematerialien. Für alle Kinder habe ich mich für die Spiele: Geistertreppe, ein Musterdomino und ein Farbenspiel entschieden. Dazu das Legespiel Haba Indish Summer sowie ein Mosikpuzzle und die Schnecke von Grimms. Für die älteren Kinder hat mir meine Ergotherapeutin 2 tolle Holzspiele Turm von Hanoi und Murmelspiel, mit denen sich die die Kinder auch alleine beschäftigen können, mitgeben. Ich habe zu Hause noch 2 weitere Strategiespiele, Rush Hour und Leonardobrücke, die schon bei den letzten Spielenachmittagen gut ankamen und sich mit einfachen Worten und Zeichen erklären kann.

Im Zimmer des Juniors befinden sich seine Schleichtiere, unsere selbstgemachten Holzbausteine und die Naturmaterialien. Von unseren Freunden habe ich mir die große Duplokiste ausgeliehen.

Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und auch mit vielen Kindern, komme ich eigentlich ganz gut alleine zurecht. Diesen Nachmittag alleine zu stemmen, kam mir dennoch nicht in den Sinn. Ich wollte ja auch Zeit für die kleinen Besucher haben. So habe ich mich an meine Familie gewandt und meine Cousine und ihr Bruder haben sich bereit erklärt mich zu unterstützen. Das war die allerbeste Entscheidung, da die beidne 16 und 12 Jahre alt sind. Also teilweise genau in dem Alter unserer Besucher. Beide brachten jeweils noch einen Freund mit und so konnte es losgehen.

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Die Fahrer trafen pünktlich in der Gemeinschaftsunterunkft ein und die Kinder warteten schon auf sie. 10 Minuten später waren sie schon alle bei uns zu Hause, ein Kind nach dem anderen kam die Treppe hoch, zieh die Schuhe aus und kam in die Wohnung. Junior freute sich so und hörte überhaupt nicht mehr auf „hallo“ zu sagen. Die Kinder die schön öfters bei uns waren, fingen sofort an zu spielen. Es war ein Kleinkind von 14 Monaten dabei, 6 syrische Kinder die noch überhaupt kein deutsch verstehen, 3 Kinder die bereits in den Kindergarten gehen und 5 Schulkinder die unsere Sprache schon sehr gut verstehen und auch sprechen. Jetzt könnte ich euch von den 4 Stunden erzählen, ich habe mir aber das Einverständnis geben lassen und zeige euch einfach ein paar Bilder. Denn es waren Kinder bei uns, die mit uns zusammen gespielt haben. Es gab keine größeren Streitereien, die Kinder haben gespielt, gegessen, gelacht. Ein paar haben ihre Grenzen ausgetestet und diese dann akzeptiert. So viel Freude, so viel Dankbarkeit und strahlende Augen. Ein ganz verschüchtertes Mädchen aus Syrien hat sich am Anfang nur auf den Boden gesetzt. Es war ihr wohl auch etwas zu laut. Am Ende ist sie so  durch unser Wohnzimmer geturnt, dass ich Tränen in den Augen hatte.

 

Beim Aufräumen – das erstaunte mich sehr – halfen alle zusammen und ruck zuck waren die Spielsachen wieder an ihren Plätzen. Ein Junge fragte mich, ob er sich das Murmelspiel mit ausleihen dürfte, weil er es noch nicht geschafft hatte. Dieses Spiel hatte ich selbst nur ausgeliehen und musste deswegen leider verneinen. Er erklärte mir: „Bitte nur ausleihen. Ich nicht behalten. Ich gebe dir wieder.“ Das tolle an diesen Strategiespielen ist einfach, dass man sie auch alleine spielen kann und weder einen Spielpartner braucht noch viel Platz. Gleichzeitig helfen sie gegen die Langeweile. Wir haben gemeinsam entschieden, dass sie die Leonadrobrücke und das Rush Hour Spiel zum ausleihen mitnehmen könnten.

Wir machten noch ein Gruppenfoto und jedes Kind bekam ein Kuscheltier. Dann war Zeit zum zurückfahren. Es fanden sich 2 ehrenamtliche Fahrer, mein Mann, meine Schwester und eine Verantwortliche des Vereins bei uns ein. Wir verteilten die Kinder in die Autos und ich erklärte der Mitarbeiterin die Situation mit dem Murmelspiel. Ich hatte Hoffnung dass sich vielleicht noch einen Spender haben, der der Gemeinschaftsunterkunft das Spiel zur Verfügung stellen kann. Leider war dies nicht der Fall und ich musste erfahren, dass sie noch nicht einmal genügend Spenden für alle Weihnachtsgeschenke haben.

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Ich habe mir überlegt den Kindern unser Rush Hour zu schenken. Um ihnen auch zu ermöglichen mit den anderen Spielen zu spielen, habe ich mich am Samstag morgen an die Deutsche Direkthilfe gewandt. Unbürokatisch und schnell haben sie einen Aufruf bei Twitter gemacht. 3 Stunden später, hatte ich 3 Anrufe auf meinem Telefon und die Kinder werden diese Woche ihre Spiele bekommen. Wenn wir Glück haben sogar noch die Leonadrobrücke.

Ich bin so unendlich dankbar. Auch im Namen der Mitarbeitern des Vereins und der Gemeinschaftsunterkunft soll ich vielen herzlichen Dank sagen. Ja, auch das ist Internet. Schnell und unkompliziert viele Leute erreichen. Auch wenn sie weit weg wohnen. Es gibt viele Menschen die gerne etwas Gutes tun. Vielen lieben Dank.

Als wir die Kinder wieder nach Hause brachten, kam ein Vater von 3 syrischen Kindern heraus. Er schaute schüchtern und ging langsam. Dann stellte er sich vor uns, legte seine rechte Hand auf sein Herz, fasste seinen ganzen Mut zusammen und sagte: Danke.

Dieses Danke sagte mehr aus als mein ganzer Bericht über unseren Nachmittag. Ich wünsche euch allen eine schöne dritte Adventswoche mit dem Gefühl der Dankbarkeit für das was wir haben.

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4 Gedanken zu “Kindertreffen

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