In der Blogreihe Eltern mit Behinderungen, möchte ich nicht nur Eltern mit unterscheidlichsten Behinderungen zu Wort kommen lassen, sondern auch „gesunde“ Eltern oder Institutionen die mit dem Thema Behrührungspunkte haben. Heute hat mir Katharina von Stadt – Land – Mama ein paar Fragen beantwortet.

Hallo Katharina. Beschreibe uns doch bitte kurz wer du bist/ ihr seid und was ihr so macht.

Ich bin Katharina, 34 Jahre alt, Journalistin aus Berlin und ein Teil von stadtlandmama.de. Stadtlandmama ist ein Blogmagazin für Eltern, das unterhalten und informieren, Mut machen und nachdenklich stimmen soll. Wir wollen die verschiedensten Familienkonstellationen vorstellen, über unser eigenes Leben berichten und aktuelle Themen aufgreifen.
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Ich lebe auf einem kleinen Dorf. Ich denke immer, wenn ich in der Stadt leben würde, wäre es einfacher Gleichgesinnte zu finden. Wie siehst du das? Siehst du Menschen mit Behinderungen und Kindern in der Stadt?
In der Kitagruppe meines Sohnes sind zwei Integrativ-Kinder, dadurch haben wir einen persönlichen Bezug zu Kindern mit Behinderungen. Und natürlich ist Berlin voll von Menschen der unterschiedlichsten Art, mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, Hautfarben, Religionen und Herkünften. Ein bunter Mischmasch an Menschen eben.
Sprichst du diese an? Oder kennst du Eltern mit Behinderungen? Persönlich oder über euren Blog?
Über unseren Blog habe ich schon einige Mütter mit Behinderungen kennen gelernt oder Mütter, die behinderte Kinder haben. Persönlich beschränkt sich meine Erfahrung tatsächlich auf die beiden Kinder in der Gruppe meines Sohnes. Mit den Eltern der Kinder ist das kein gesondertes Thema. Wir sprechen einfach ganz normal über unsere Kinder.
Es gibt so viele unterschiedliche Einschränkungen. Jede Behinderung braucht andere Hilfen oder Unterstützung. Ganz Pauschal nachgefragt:
Denkst du, das Eltern mit Behinderungen (egal welche) in der Lage sind, alleine ihre Kinder zu versorgen?
Ich habe Interviews mit tauben und blinden Müttern geführt, wo ich am Anfang dachte: Wie kriegen die denn den Alltag geschafft? Aber sie machen das genauso gut wie ganz gesunde Mütter. Sie haben Strategien entwickelt, mit denen ihre Behinderung nicht mehr so auffällt. Ihre anderen Sinne sind viel besser ausgeprägt. Ich denke, dass auch hier viel Learning by doing geschieht – wie in ganz normalen Familien eben auch. Ich kenne keine geistig behinderten Mütter – da kann ich keine Einschätzung abgeben. Ein Rollstuhl oder sonst irgendeine körperliche Einschränkung sehe ich nicht als Grund, warum eine Mutter ihr Kind nicht versorgen könnte.
Sollte man sie speziell unterstützen?
Wenn eine behinderte Mutter an ihre körperlichen Grenzen kommt, sollte man sie natürlich unterstützen. Das gilt aber auch für jede andere Mutter. Jede Frau, die merkt, dass sie bei der Erziehung ihrer Kinder Unterstützung braucht, sollte sie bekommen.
In welcher Form?
Oft helfen schon Gespräche oder einfache Nachbarschaftsdienste wie Einkaufen gehen, Kochen usw. Aber es gibt auch tolle Angebote über die Familienhilfe, die jeder annehmen sollte, wenn er mal nicht weiter weiß.
Wenn du mit deinen Kindern unterwegs bist, trefft ihr in der Stadt Menschen mit behinderungen? Wie regieren denn deine Kinder? Wie reagierst du?
Mein Sohn reagiert noch gar nicht, mit zwei Jahren ist er dafür zu jung. Meine Tochter ist fünf und da ist es anders. Ab und zu sehen wir beim Spazierengehen eine junge Frau, die geistig und körperlich behindert ist. Sie schleift ein Bein beim Gehen hinterher, was für ein kleines Mädchen natürlich seltsam aussieht. Die ersten Male hat meine Tochter immer mit dem Finger auf sie gezeigt und gesagt: „Guck mal, die läuft ja so komisch.“ Zu Hause habe ich ihr erklärt, dass diese Frau ein krankes Bein hat und deshalb so läuft. Und dass sie sich sicher mehr freut, wenn wir sie anlächeln, als wenn wir mit dem Finger auf sie zeigen. Das hat meine Tochter verstanden. Ich denke, man kann Kindern das schon recht früh erklären.
Wenn ich etwas von Eltern mit Behinderungen lese (z.b. in diesem Artikel der blinden Mama ) denken viele Außenstehende, das die Kinder ihren Eltern helfen müssen. Ein Kind soll aber nicht die Einschränkung der Eltern ersetzten oder gar als Pfelgeperson gesehen werden, auch wenn es einmal irgendwie kurz aushilft. Ich selbst bitte meinen Sohn z.B. mir etwas vom Boden aufzuheben. Wie sieht eine „gesunde“ Mama, diese Situationen?
Finde ich völlig ok. Kein Kind ist überfordert, wenn es mal was vom Boden aufheben muss. Kinder, die behinderte Eltern haben, werden in eine spezielle Situation geboren und müssen sich darauf einstellen. Genau wie Kinder, bei denen beide Eltern voll arbeiten oder Kinder von Alleinerziehenden oder Kinder aus Regenbogen-Familien. Jede Familie hat ihre eigenen Herausforderungen und Kinder haben meist wenig Probleme, sich auf diese einzustellen. Auch wenn das bedeutet, dass sie vielleicht etwas mehr zuHause mithelfen müssen als andere Kinder.
Auch wenn die Kinder keine pflegerischen Aufgaben übernehmen (müssen/dürfen), so werden sie dennoch etwas anders erzogen. Sie werden schnell sehr selbständig. Ich habe hierüber auch einen kleinen Beitrag geschrieben. Manchmal kann das für die Kinder auch ein Vorteil sein, wenn z. B. nicht ständig umhergeschleppt werden statt selbst zu laufen oder schon früher lernen, ihren Teller selbst abzudecken. Nur so als Beispiel, weil ich erlebe, dass manche Kinder  immer mehr „in Watte gepackt“ und verwöhnt werden. Was denkst du darüber?
Auch ich empfinde es so, dass Kindern immer weniger zugetraut wird und wir ihnen immer mehr abnehmen. Ich bin da kein Fan davon und ermutige meine Kinder immer, es selbst zu versuchen. Ermutigung finde ich ganz ganz wichtig.
Ich danke dir, liebe Katharina für deine Einblicke und deine Antworten.
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4 Gedanken zu “Eltern mit Behinderung: Katharina – „Stadtmama“ berichtet

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