Heute schreibt Jenny bei mir, in der Bogreihe: Eltern mit Behinderung. Ich freue mich seher, denn Jenny beschreibt einen Weg der nicht einfach war ist. Ich danke ihr für den Mut und die Offenheit bei mir darüber zu berichten und euch alle daran teilhaben zu lassen. Auch wenn ich hier schreibe um zu zeigen, dass es Eltern mit Behinderungen gibt und wir unseren Alltag meistern, so gibt es einfach auch Behinderungen, bei denen dies nicht möglich ist. Auch dies soll hier einen Platz bekommen.

Halli hallo mein Name ist Jenny K. und ich habe mich sehr gefreut dass ich hier etwas beitragen darf aus meiner eigenen Erfahrung. Ich bin jetzt fast 29 und werde immer wieder gefragt, „willst du nicht auch mal Kinder haben?“

Bei mir beginnen deinen gemischte Gefühle zu wirken denn ja natürlich wäre ich gerne Mama aber leider macht mir da meine Erkrankung einen dicken Strich durch die Rechnung. Ich habe von Geburt an eine spinale Muskelatrophie also einen Muskelschwund, der dafür gesorgt hat das mein sehnlichster Wunsch zerplatzt ist. Aber ich will euch erzählen wie es dazu gekommen ist. Ich war ungefähr 21 Jahre und in einer glücklichen Beziehung kann gut mit meiner Behinderung zurecht und träumte wie jedes junge Mädel davon eine Familie zu gründen.

Aber trotzdem bleibt du mich das Gefühl der Unsicherheit. Kann ich überhaupt schwanger werden? Was passiert während der Schwangerschaft mit mir? Kann ich natürlich entbinden oder wird es einen Kaiserschnitt? Und vor allen Dingen wird mein Kind gesund sein? Und natürlich all die anderen Fragen die sich andere Frauen stellen die gerne ein Kind bekommen möchten.

Entscheidung

Also dachte ich bevor ich mich verrückt mache und ins Blaue renne, lasse ich mich lieber erstmal gründlich untersuchen. Gesagt getan, bin zu meinem Frauenarzt der mir sagte, dass er rein von der Gebärmutter und allem was dazugehört keine Probleme sieht…Aber! Da ich ja nun auch noch eine Skoliose habe und meine Organe zusätzlich verschoben sind sagte er ich solle das besser noch mal beim Orthopäden abklären lassen ob das Baby auch genug Platz in mir hätte. Natürlich bin ich so schnell wie möglich zu meinem Orthopäden mit gemischten Gefühlen. Die Antwort war schon fast offensichtlich… mein Becken wäre wunderbar dafür geeignet um ein Baby zu bekommen aber er macht sich Sorgen dass ich nicht genügend Luft bekäme ab einem gewissen Zeitpunkt der Schwangerschaft, da ja bei mir alles verschoben ist und das Zwerchfell würde sehr gegen die Lunge drücken, je größer des Baby wird. Aber er bat mich um eine hundertprozentige Einschätzungen zu bekommen, zu Humangenetik zu gehen denn mir fehlte ja immer noch die Antwort was passiert mit meinem Kind..Erstmal wusste ich gar nicht was das ist vor allen Dingen wo das ist.. nach etwas Suchen und dann auch endlich einen Termin, sollte ich alle meine Befunde zusammen sammeln und mitbringen. Dann wurde mir noch Blut abgenommen und ich wurde einschlägig über meine Erkrankung noch persönlich befragt und was für mich wichtig ist zu wissen. Zuerst gab es eine ernüchternde Antwort denn ich müsste ein paar Wochen auf das Ergebnis warten und bekäme es dann per Post. Nach fast vier Wochen dann endlich ein Brief. Ich war alleine zu Hause und traute nicht erst gar nicht den Brief zu öffnen. Aber habe mich dann irgendwann überwunden. Folgende Zeilen haben sich in meinem Kopf eingebrannt.. es wäre eine hoch Risikoschwangerschaft für Sie und das Kind und die Wahrscheinlichkeit dass Ihr Kind dieselbe Erkrankung bekommt liegt bei 50%. Ein Schlag ins Gesicht für mich brach eine Welt zusammen.

Ich sollte also keine Mami sein. Denn so sehr ich es mir auch gewünscht habe mein gesunder Menschenverstand und mein Herz riet mir einschlägig davon ab. Dann selbst wenn wir die Schwangerschaft überstehen würden, also mal rein hypothetisch, 50% ist ganz schön hoch, zu hoch für mich. Also versuchte ich mich mit dem Gedanken abzufinden, was natürlich nicht leicht gefallen ist. Die damals glückliche Beziehung hat leider auch nicht gehalten also war meine Entscheidung nicht schwanger zu werden wahrscheinlich die beste.

 

Das heißt aber nicht dass ich nicht sehr gerne Kinder um mich rum habe. Ich freue mich auch immer wieder zu sehen wenn Freunde von mir eine Familie gründen oder wenn ich sehe dass andere Frauen mit einem Handicap es einfach hinbekommen. Ich bin davon sehr beeindruckt und möchte jetzt auch als Schlusswort nur noch hinzufügen, Ich habe Respekt vor allen Müttern ob mit oder ohne Handicap, ich beneide euch um eure Erfahrung und freue mich gleichermaßen für euch. Alles liebe eure Jenny K.

 

 

Weitere Beiträge zur Blogreihe findet ihr hier:

Eltern mit Behinderung: Eine Begegnung

Eltern mit Behinderung: Möchte ich einmal Mama werden?

Eltern mit Behinderungen: Hilfsmittel

Blogreihe: Eine bemerkenswerte Frau

Blogreihe: Eltern mit Behinderungen Elternassitenz

Eltern mit Behinderung

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Eltern mit Behinderung: Warum ich kein Kind habe

  1. Liebe Jenny(und auch liebe Wheelymum),
    vielen Dank für diesen aufrichtigen Bericht.
    Ich bewundere Deine Entscheidung sehr; viele wären das Risiko eben wegen der 50%-Chance, die Du diese Krankheit NICHT vererbt hättest, eingegangen. Aber DU weißt, was diese Behinderung bedeutet und was Du damit weitergeben würdest.
    Ich kann nicht sagen, wie ich mich entschieden hätte. Es ist ebenso schwierig wie die „ethische“Frage, ob die Frau beim Erfahren in der Schwangerschaft, dass ihr Kind behindert sein wird, abtreiben sollte oder nicht.

    Ich wünsche Dir alles Gute!

    LG Silke

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