Es ist soweit. Der große Tag stand bevor. Junior kommt in den Kindergarten. Doch der große Tag wurde in den letzten Wochen immer kleiner. Wir können von unserem Küchenfenster aus, den Eingang des Kindergartens einsehen. Seit Junior sprechen kann, kommentiert er wer oder was gerade in den Kindergarten kommt. Er wollte seit 1 Jahr auch dahin und hat dies immer wieder kundgetan. „Wenn is drei bin, dann darf is auch in den Kindergarten.“

An seinem Geburtstag war er sehr traurig, dass er noch nicht in den Kindergarten gehen durfte, weil wir mit der Eingewöhnung erst nach den Sommerferien starten. Und dann? Dann geschah etwas, was ihn prägte. 1 Woche vor den Sommerferien ging er mit seinem Papa in den Kindergarten um etwas abzugeben. Sie mussten einen Moment warten und durften so lange in der zukünftigen Gruppe spielen. Nach 30 Min wären sie wieder zu Hause.

Seit diesem Tag, sagt Junior, er geht nicht in den Kindergarten.

Auf Nachfragen kann er ganz klar sagen, dass es ihm dort zu laut war. Auf Geräusche reagiert er sehr empfindsam und die Aufbruchsstimmung vor den Sommerferien tat ihr übriges. So hatten wir wochenlang immer wieder mit dem Themen, Kindergarten, Lautstärke, Hilfe, usw. zu kämpfen. Auf seine Kindergartensachen freute er sich sehr. Nur meinte er, er könne diese auch zu Hause gut gebrauchen, oder wenn er seine Oma besucht.

Vor 2 Wochen gab es dann auch für mich ein einschneidendes Erlebnis. Junior wurde gefragt wie alt er denn sei. Manchmal verweigert er die Antwort, aber an diesem Tag sagte er voller Überzeugung: „Is geh aber nicht in den Kindergarten.“

Was zunächst eine seltsame Antwort auf die Frage, wie alt er sei, sein mag. Doch er hatte so Recht. Die ganze Zeit sagte (nicht nur) ich ihm, auf seine Frage, wann er in den Kindergarten darf: „Wenn du 3 Jahre alt bist.“ Nun hat er dies verstanden und seine positive Grundhaltung zum Kindergarten hatte sich gewandelt. Damit auch das Verhalten zu der Zahl 3.

Ich musste umdenken.

Ihm noch mehr zuhören.

Mich voll und ganz auf ihn einlassen.

Und versuchen, dass er offen über alles spricht.

So haben wir seine Meinung respektiert und das Thema blieb außen vor. Nur kein Druck. Vielleicht kommt die Lust ja von alleine wieder (ich ahnte das es nicht so sein wird, aber….) Wir sprachen das Thema Kindergarten nicht mehr an. Bis gestern. Gestern Nachmittag habe ihm erklärt, dass wir uns das ganze noch einmal in Ruhe gemeinsam anschauen werden. Und wenn es ihm zu Laut sein sollte, seine „Hellau
“ ihm auch nicht helfen, das wir dann wieder gehen.

Er hat mein Wort. Und er vertraut darauf.

Es war für ihn ok und wir wollten uns das Ganze anschauen. Bis er gestern Abend um 22.30 Uhr einen Monolog im Eiltempo vor sich hin sagte: „GIs geh nicht in den Kindergarten, und is guck mir das auch nicht an und ich ess da nichts und ich trink da nichts und ich spiel da nichts und ich geh da gar nicht hin.“ Die Worte wurden immer schneller und schneller. Wir haben ihn unterbrochen und versucht ihn zu beruhigen. Dann meinte er zu mir: „Und wenn dir es da gefällt Mama, dann kannst du da alleine hin und is geh wieder nach Hause und warte hier auf dis. Das ist ok.“ Puhh…. Ich hatte etwas Angst vor der Nacht und vor dem heutigen Morgen. Aber…

Irgendwann nach vielem reden, zuhören und einfach nur da sein, schlief er friedlich ein. Heute morgen erwachte er und freute sich auf den Kindergarten. Er packte selbst seinen Rucksack und nahm das nötigste mit. (Wechselkleider braucht er nicht, weil er dann einfach heim geht ;-)) Er nahm seine Hellau mit, falls es ihm doch zu laut wird, dann kann er diese zum Gehen aufsetzten und seinen Kuschelhund.

Er konnte das alles so handhaben, wir er wollte. Es tat ihm gut, für sich selbst und seine Bedürfnisse zu sorgen. Wir sind die paar Meter zum Kindergarten gelaufen. In der Eingewöhnung bei uns im Kindergarten sind bestimmte Zeiten für die ersten Tage festgelegt (jeweils 60 Min mit einem Elternteil) Dort angekommen, war er schüchtern und zurückhaltend, suchte meine Nähe und er strahlte. Seine Bezugserzieherin bot ihm verschiedene Dinge an, aber er entschied sich zunächst einmal zu beobachten. Dann kribbelte es doch und er begann schnell in der Duploecke zu spielen.

Auch hier sah, er sich in Ruhe alles an, begann alleine zu spielen, erweitere das Spiel dann mit mir und nach kurzer Zeit versuchte er sich bereits in das Spiel der anderen Kinder einzuklinken. Er lachte und sprach mit seinen Erzieherinnen. Das ist ein gutes Zeichen. Denn er spricht nur, wenn er sich wohl fühlt.

Es war ein schöner, leiser Morgen, die Erzieherinnen sind sehr einfühlsam und nach meinem Gefühl, hatte einen guten Start.

Auch wenn er zum Abschied sagte: „Morgen komm ich aber nicht“ und sicherheitshalber auch heute seine Hausschuhe noch einmal mit nach Hause nahm.

Er wird seinen Weg gehen.

In seinem Tempo und nach seinen Bedürfnissen.

Unser kleiner Sohn wird flügge.

Ich wünsche dir eine tolle Kindergartenzeit mein Schatz

 

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4 Gedanken zu “Kindergarteneingewöhnung

  1. Oh nein. Der arme Kleine. Ich hoffe wirklich, dass er ganz bald besser über den Kindergarten denkt.
    Ich kann mich tatsächlich auch noch an ein Erlebnis erinnern. Ich bin damals mit meiner besten Freundin in den Kindergarten gekommen und ihr großer Bruder war auch schon da. Also war das in den Kindergarten kommen gar nicht schlimm (die beiden hatten auch im selben Haus gewohnt und wir waren quasi eh immer zusammen). Leider zogen die beiden dann weg und ich war alleine im Kindergarten. Ich hab bitterlich geweint und egal was meine Mama oder die Erzieher sagten – nichts half. Da kam ein Mädchen auf mich zu und meinte einfach „Komm mit spielen“ und wir waren die darauf folgenden 15 Jahre unzertrennlich. Ich finde es so krass, dass ich mich noch so daran erinnern kann, schließlich war ich erst 3! Aber sowas bleibt in Erinnerung. Hoffentlich hat euer Junior auch bald so eine schöne Erinnerung an den Kindergarten, die er bewahren wird 🙂

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