Welche Hilfsmittel ich für die Versorgung von Junior benötigte und was zu unserer Babyausstattung gehörte, darüber habe ich hier berichtet. Nun sind wir auf der Suche nach einer Lösung, mit der Junior und ich momentan raus gehen können. Ohne Kinderwagen. Aber auch gleichzeitig nach etwas, wie ich ihn entlasten kann, wenn seine Beine hin nicht mehr tragen. Wir kamen auf die Idee eine Art Buggyboard am Rollstuhl zu befestigen.

Meine Nachfragen beim Hersteller waren sehr ernüchternd. Ich habe zunächst einen Buggyboardhersteller angeschrieben. Dieser hat mich an einen großen Rollstuhlhersteller verwiesen. Der Rollstuhlhersteller würde wohl Buggyboards vertreiben.

Auf meine Nachfrage, bekam ich eine schnelle und liebevolle Rückmeldung. Mein Problem, würde verstanden, eine Lösung könne man mir aber nicht anbieten. Es gab einen regen Emailaustausch über die vielfältigen Gründen, ein Telefonat, sowie die Bitte, dass ich die rechtlichen Bestimmungen, an die Sie als Hersteller gebunden sind, hier veröffentliche:

„Wir als Hersteller können Ihnen hier leider nichts anbieten, da wir für die Entwicklung und Vertrieb von medizinischen Hilfsmitteln an verschiedene Normen gebunden sind. Anbei finden Sie eine kleine Auswahl:

  • Din 13240-1 Rollstühle; Einteilung Ausgabe 12/1983
  • DIN 13240-2 Rollstühle; Begriffe 12/1983
  • DIN 13240-3 Rollstühle; Maße 08/1994
  • DIN EN 12183 Rollstühle mit Muskelkraftantrieb – Anforderungen und Prüfverfahren
  • DIN EN 12184 Elektrorollstühle und -mobile und zugehörige Ladegeräte – Anforderungen und Prüfverfahren
  • DIN ISO 6440 Rollstühle; Benennungen, Begriffe 1985
  • DIN ISO 7176–1 Rollstühle; Bestimmung
  • DIN ISO 7193 Rollstühle – Maximale Gesamtmaße

Dazu kommen die Auflagen des Medizinproduktegesetzes und die Paragraphen der verschiedenen Sozialgesetzbücher.

Wie Sie sehen haben wir nicht viel Spielraum was die Auslegung betrifft. Wir können Ihnen daher keine Lösung anbieten oder an einer Lösung mitarbeiten. Das selbe gilt für Alternativen zum Buggyboard wie Fahrradanhänger usw…

Das selbe Problem ergab sich damals bei der Frage nach dem geeigneten Kinderwagen. Vor lauter Regeln, Normen und Richtwerten bleiben die Menschen auf der Strecke. So etwas macht mich wütend und traurig. So bleibt nur die Möglichkeit eine eigene Konstruktion zu entwerfen. Damit kann man aber den Versicherungsschutz verlieren. Für die Beförderung des Kinderwagens, fanden wir für uns eine Lösung.

12.1.14 mit mama on tour  (3)
wheelymum

Jetzt stehen wir vor einem neuen Problem. Den Kinderwagen kann ich kaum noch schieben – ich kann meine Schultern haben eine Sekundärerkrankung und es ist ingesamt zu schwer. Einen Buggy kann ich mit dem Rollstuhl nicht bewegen. Mit einem Fahrrad kann ich nicht fahren. Junior kann nicht alle Strecken alleine laufen – auch wegen den Aspekten Sicherheit im Straßenverkehr. Wir brauchen eine Lösung. Und ich habe keine Ahnung an wen ich mich wenden kann. Denn eigentlich gibt es dieses Problem im der Öffentlichkeit nicht.

Das ist für mich gelebte Diskrimminierung. Es ist ein Thema (von so vielen) bei denen ich mich persönlich benachteiligt fühle. Eltern können sich aus der Vielzahl der Kinderwagen einen aussuchen: je nach Gusto und Geldbeutel, aber eine Wahl haben die meisten. Sie haben auch die Chance, sich einen Kinderwagen gebraucht zu kaufen, wenn Sie dies möchten.

Wenn einer der bekannsten und größten Rollstuhlhersteller in Europa – keine Idee hat, wie Eltern im Rollstuhl sich mit ihren Kindern fortbewegen können, wer kann dieses Problem dann lösen?

An wen können wir uns wenden? Ja, dieser Schritt ginge nur über die Politik.

Gleichzeitig macht sich in mir das Gefühl breit, dass es uns behinderte Eltern nicht geben darf, da wir nach Gesetzten und Normen sowie Verordnungen, einfach keine Chance haben.

Wer denkt an uns?

Es gibt uns Eltern im Rollstuhl!!! Wir sind da!!!

Und wir brauchen Lösungen.

Ist das diese Inklusion von der jeder spricht? Oder sind es weitere Behindernisse auf die wir aufmerksam machen sollten.

 

Ich brauche aktuell eine Lösung für Junior und mich. Und darum werden wir uns jetzt kümmern. Über die Ergebnisse werde ich Euch auf dem Laufenden halten.

Menschen mit einer Idee gelten so lange als Spinner,

bis sich die Sache durchsetzt hat. 

(Mark Twain)

Wenn unter Euch Spinner sind, die eine Idee hätten, dann bitte meldet Euch bei mir. Ich danke Euch

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25 Gedanken zu “Hilfsmittel und Bürokratie

  1. Ich kann verstehen, dass das für dich sehr frustrierend ist. Eigentlich sollten die Normen ja Menschen unterstützen und Ihnen mehr Sicherheit bieten. Total doof wenn es dann zu so etwas führt!
    Politisch würde ich mich mal an die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen wenden: http://www.behindertenbeauftragte.de/DE/Home/home_node.html Sicher sehr langwierig aber vielleicht bringt es was! Gibt es eigentlich eine Vereinigung von Eltern mit Behinderung? Vielleicht kann man sich gemeinsam stark machen.
    Spontane Ideen: Wir hatten für die gleiche Problematik (selbständig bewegen aber schnell müde) ein Puky, also so ein Laufrad. Erst mit vier Rädern und mittlerweile mit zweien. Da kann es natürlich aber auch passieren dass das Kind keine Lust hat. Ein Dreirad mit einer Schiebestange? Kann laufen oder selbst fahren oder du schiebst ihn.
    Ich hoffe, ihr findet eine Lösung!
    Viel Erfolg!

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    1. Danke für deine leibe Worte, dein Verständnis und deine Ideen 😉 Laufrad haben wir – nur fährt er so schnell, dass mir das nicht immer sicher genug ist. Die Idee mit dem Dreirad haben wir versucht – aber ich kann es leider nicht schieben… Aber wirklich, Danke, Danke, Danke ❤

      Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Wheelymum,
    kennst Du http://forum.lewu.de/? Das ist schon ein paar Jahre alt und vermutlich nicht mehr auf allerneustem Stand – aber ich bin sicher, dass praktikable Kombinationen von Kinderwagen und Rollstuhl dort schon mal diskutiert worden sind. Vielleicht findest Du dort ja Ideen oder Links, die Dir weiter helfen.
    Alles Gute und viele Grüße!

    Gefällt 1 Person

  3. Es macht mich richtig wütend, wenn ich lese, wie die Bürokratie der Bremsklotz an deinem Rollstuhl ist. Unfassbar! Die meisten Normen und Vorschriften sind weltfremd und ohne menschlichen Bezug und deshalb kommt es zu solchen absurden Situationen wie deiner! Ich wünschte, ich hätte jetzt die zündende Idee für dich – habe ich leider nicht. Das einzige was ich tun kann, ist dein Text zu verbreiten, dass ihn möglichst viele Menschen lesen werden. Vielleicht sind welche dabei, die eine Lösung kennen und eventuell rückt die Problematik der Rollstuhl fahrenden Eltern auch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit! Ich würde es mir sehr wünschen!

    Ganz viele liebe Grüße
    Mother Birth

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  4. klingt Vllt naiv, aber ich hatte als ich noch auf den E -Rolli angewiesen war immer gedacht meinen kleinen auf den Schoß zu nehmen…ist das dir möglich, und wenn ja wie wäre eine Art Sicherheitsgurt am Rolli selbst?
    Großes Lob übrigens für deinen Blog und Deine Beiträge sie sind wirklich toll und ich freue mich jeden Tag darauf!

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  5. Hallo, ich stand bei meinen Jungs vor einem ähnlichen Problem. Die Grossen konnten schon selber Fahrrad fahren und wollten es auch gerne; die Kleinen konnten teilweise noch nicht einmal laufen. Ich habe dann mein Dreirad so umbauen lassen, dass ich einen Fahrradanhänger anhängen kann ohne noch breiter zu werden. Fahrrad und Anhänger sind zwar zusammen sehr lang aber wir sind zusammen mobil. Das System hat sich nun schon bei vier Kindern bewährt und der Umbau ist bestimmt auch bei einem E-Rolli möglich. Positiver Nebeneffekt ist, dass im Anhänger immer genug Platz für Jacken, Rucksäcke etc. ist. Viele Grüße Telse

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  6. Oh man das ist wieder typisch deutsch. Wir regeln alles so kaputt bis wir nichts mehr können.

    Ich würde mich an kreative Bastler wenden, vielleicht kann eine individuelle Lösung gefunden werden. Ich denke da an Fahrradwerkstätten, (Skater )läden, Schreiner, Autoschrauber etc. Falls es bei dir in der Nähe eine Uni mit technischens / handwerklichen Studiengängen gibt vielleicht dort mal nen Zettel aufhängen ( lassen )

    Auf jeden Fall wünsch ich dir eine schnelle und gute Lösung

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  7. Liebe Wheelymum,

    schon seit einiger Zeit bin ich stiller und faszinierte Mitleser auf Deinem Blog. Ich bewundere Deine Kraft und Energie für den Alltag und die Art und Weise, wie Du es schafft mit viel Humor und Lebensfreude die dringend nötige Brücke zwischen behinderten und nicht-behinderten Eltern zu schlagen.
    Vielleicht findet sich die Lösung für das Transportproblem ja an deutschen Normen vorbei im Ausland? Vielleicht ist ja ein passendes Produkt bzw eine Idee für Dich dabei:

    – Die australische Firma Motum vertreibt ein Buggyboard für Rollstühle:
    http://www.motum.com.au/buggy-board/

    – Die britische REMAP (Rehabilitation Engineering Movement Advisory Panels) ist eine ehrenamtliche Gemeinschaft grösstenteils pensionierter Ingenieure, die sich um die Konstruktion hilfreicher technischer Individuallösungen für Behinderte bemühen. Hier wurde ein Fahrradkindersitz für den Rollstuhl adaptiert:
    http://www.remap.org.uk/341/baby-carrier-for-wheelchair/

    LG anja

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  8. Wenn Du das Dreirad nicht schieben kannst… — kann man es nicht als Beiwagen fest montieren? Das Dreirad bräuchte dann diese rund-rum-drehenden Räder, wie Kinderwagen, um alle Kurven mitzumachen….
    ein NachläuferFahrrad ist nichts, weil zu beschwerlich oder zu lang?

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  9. Ich hatte ein elektromobil der Marke minicrosser (der kann bis zu 50 kg laut Hersteller ziehen) und daran einen Kinder Fahrradanhänger darangehangen. In Holland nicht ungewöhnlich.

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